Die Schöpfung unterstützt uns bedingungslos – immer

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Wenn wir schwierige Zeiten in unserem Leben durchmachen, wenn Pläne scheitern, Beziehungen zerbrechen oder wir uns in einer Sackgasse wähnen, drängt sich uns häufig eine bestimmte Interpretation der Realität auf. Wir neigen dazu, eine tiefe, schmerzhafte Kluft zwischen uns und dem Rest der Schöpfung zu empfinden.

In diesen Momenten verfallen wir oft einem alten, tief verwurzelten Missverständnis: Wir glauben, das Universum, das Leben oder eine höhere Macht habe sich gegen uns verschworen. Wir interpretieren das Ausbleiben von Glück als Strafe oder Gleichgültigkeit. „Warum passiert mir das?“

Unbewusst folgen wir hier einem Bild von der schöpferischen Kraft, als sei sie ein strenger, moralisch urteilender Elternteil, der seine Kinder belohnt, wenn sie „brav“ sind, und ihnen die Unterstützung entzieht, wenn sie versagen oder vom Weg abkommen. Auch wenn wir vermutlich bewusst wissen, dass dieses Bild nicht stimmt, reagieren wir oft so, denn unser inneres Kind hat es eben so gelernt.

Das Gesetz der absoluten Neutralität

Aber das Universum agiert nicht als moralischer Richter. Es ist vielmehr eine reine, neutrale Energie, die schlichtweg darauf programmiert ist, auf alles zu antworten.

Man kann sich diese Kraft wie Elektrizität vorstellen: Der Strom urteilt nicht darüber, ob er genutzt wird, um einen Raum zu erhellen, eine lebensrettende Maschine zu betreiben oder eine Bombe zu zünden. Er fließt einfach überall dort, wo eine Leitung liegt – urteilsfrei und wertfrei.

Ebenso ist das Universum einfach ein gigantischer Spiegel der Resonanz. Es hat keine Meinung zu dem Gesicht, das wir ihm zeigen. Er entscheidet nicht, ob unser Spiegelbild strahlend oder traurig besser ist. Der Spiegel wirft einfach nur absolut präzise das zurück, was wir ausstrahlen.

Seine Unterstützung ist in diesem Sinne vollkommen bedingungslos. Es sagt niemals „Nein“, es korrigiert nicht und wertet nicht. Seine einzige Antwort auf jede unserer bewussten oder unbewussten Überzeugungen, auf jede energetische Signatur, die wir aussenden, lautet immer und ausnahmslos „Ja“. Es gibt uns immer recht.

Nehmen wir an, ein Mensch trägt tief in seinem Inneren die feste Überzeugung:

„Ich bin nichts wert“, „Ich verdiene keine Hilfe“ oder „Ich bin im Grunde allein“.

Nach unserer menschlichen Logik der Fürsorge müsste eine liebende universelle Kraft hier intervenieren. Wir erwarten insgeheim, dass das Leben uns in den Arm nimmt und uns durch positive Ereignisse, durch Erfolg oder plötzliches Glück beweist, dass wir uns irren.

Wir denken, wahre Liebe würde bedeuten, uns von unserem Irrtum zu überzeugen und uns zu retten. Aber das ist eben der Kinderglaube, der auf die rettende Hand der Eltern wartet.

Die kosmische Energie ist jedoch respektvoller gegenüber unserer eigenen Schöpferkraft. Sie widerspricht uns nicht.

Sie respektiert unseren freien Willen.

Ein Eingreifen, eine Rettung gegen die eigene innere Überzeugung, wäre eine Entmündigung. Wir wären nur Marionetten und keine freien schöpferischen Wesen.

Die verborgene Macht hinter der Ohnmacht

Das Prinzip der bedingungslosen Unterstützung bestätigt also genau unsere Überzeugung, wie immer diese Überzeugung auch lautet. Das Universum sagt metaphorisch gesprochen nicht:

Du siehst das ist falsch, du bist wunderbar.

Es sagt vielmehr:

Ich höre deine Überzeugung. Ich respektiere deine Macht als Schöpfer deiner eigenen Realität und mische mich nicht ein. Wenn es deine tiefste Wahrheit ist, dass du keine Hilfe verdienst, dann werde ich dich bedingungslos darin unterstützen und dir die absolute Erfahrung dieser Hilflosigkeit ermöglichen.

Das Leben stellt uns also alles zur Verfügung, um unsere Definition von uns selbst – auch wenn sie negativ ist – perfekt in der materiellen Welt abzubilden. Dass wir uns verlassen fühlen, ist somit kein Zeichen dafür, dass die Unterstützung fehlt, sondern paradoxerweise der Beweis dafür, dass die Unterstützung perfekt funktioniert. Wir erhalten genau das, was wir durch unsere innersten Glaubenssätze bestellt haben.

Man könnte es auch so ausdrücken: Die Schöpfung liebt uns so sehr, dass sie uns auch erlaubt, uns nicht geliebt zu fühlen, uns selbst zu schaden und die Illusion der Trennung als absolut real zu erleben.

Niemals wird sie uns signalisieren, dass etwas an uns falsch wäre. Sie bestätigt immer das, was wir ausstrahlen als wahr und richtig.

Was auf den ersten Blick unbarmherzig wirkt, ist in Wahrheit der Schlüssel zu unserer eigenen Stärke und unsere größte Chance. Wenn wir den Blickwinkel ändern und uns vor Augen führen, was es bedeutet, eine solche Realität zu erschaffen, wird uns bewusst, welch gewaltige Macht wir besitzen. Wer fähig ist, eine solche Illsuion echt wirken zu lassen, der muss ein unglaublich starker Schöpfer sein.

Das natürliche Bestreben des Lebens ist Wachstum, Expansion und Verbindung. Um gegen diesen gewaltigen Strom anzuschwimmen und eine Realität der Isolation, des Mangels und der Wertlosigkeit aufrechtzuerhalten, braucht es eine enorme energetische Anstrengung. Dass wir überhaupt fähig sind, uns so überzeugend als „klein“ und „ohnmächtig“ zu definieren, beweist tatsächlich unsere gewaltige Macht.

Nur ein Wesen von unermesslicher schöpferischer Kraft kann sich selbst so erfolgreich davon überzeugen, keine Kraft zu haben. Unsere Fähigkeit, uns selbst ein Gefängnis zu bauen, ist der Beweis dafür, dass wir selbst die Architekten unseres Lebens sind.

Darüber hinaus gibt es noch einen grundlegenden Beweis für unseren Wert: unsere bloße Existenz. In einem Universum, in dem keine Energie verloren geht und jedes Atom seinen Platz in einem komplexen Gefüge hat, gibt es nichts Überflüssiges.

Die Natur arbeitet effizient und verschwendet keine Ressourcen. Nichts wird im großen Kreislauf des Lebens dauerhaft mit Energie versorgt, wenn es überflüssig ist. Dass wir in diesem Moment atmen, dass unser Herz schlägt und wir am Leben sind, bedeutet, dass das Universum ständig Energie in uns investiert.

Wären wir tatsächlich ‚wertlos‘ oder für das Ganze unnötig, würde dieser Energiefluss versiegen. Unsere bloße Existenz ist also der Beweis, dass wir gebraucht werden – so wie ein Puzzleteil, weil das Bild ohne dieses Teil unvollständig wäre. Unser Wert muss nicht verdient, erkämpft oder bewiesen werden. Er ist die Grundvoraussetzung unseres Daseins.

Das Echo verändern

Wenn wir dieses Prinzip wirklich durchdringen, löst sich der Kampf gegen die Außenwelt auf. Wir hören auf, das Echo anzuschreien und uns darüber zu beschweren, was zurückkommt.

Wir erkennen, dass unser Leiden eine von uns selbst inszenierte Erfahrung ist, die vom Universum loyal unterstützt wird. Und genau in dieser Erkenntnis liegt der Schlüssel zur Veränderung: Wenn das Universum neutral ist und alles verstärkt, was wir glauben, dann haben wir jederzeit die Macht, die Bestellung zu ändern.

Sobald wir beginnen, auch nur einen Spaltbreit von unserer alten, vernichtenden Überzeugung abzurücken, muss und wird diese neutrale Kraft auch dazu „Ja“ sagen und beginnen, uns Beweise für diese neue Wahrheit zu liefern – nicht aufgrund von Bewertung oder aus Gnade, sondern aufgrund des universellen Gesetzes der Resonanz.

Wir ändern das Signal, das wir aussenden und dem Leben bleibt in diesem Moment gar keine andere Wahl, als darauf zu reagieren. Die kosmische Kraft hat keine eigene Agenda und ist auch nicht nachtragend. Sie hält sie uns nicht unsere Vergangenheit vor. Sie reagiert unmittelbar und zuverlässig immer nur auf das „Jetzt“.

Wir neigen dazu, die Veränderung „Glück“ oder „Zufall“ zu nennen, doch es ist nichts anderes als die Antwort auf unsere veränderte Frequenz. Das Außen muss sich neu ordnen, um unserem veränderten Inneren zu entsprechen, genauso wie sich ein Spiegelbild sofort verändern muss, wenn wir unsere Haltung vor dem Spiegel ändern.

Wir sind nicht die Opfer einer übermächtigen Welt, sondern die Auftraggeber einer unendlichen Kraft. Diese Energie urteilt nie über uns – sie steht bereit wie ein unbeschriebenes Blatt, das jeden neuen Satz von uns genauso bedingungslos annehmen wird wie den alten.


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